Praxis · Drei Listen für den Alltag

Was essen bei hohem Cholesterin? — Drei Listen für den Alltag

Was täglich auf den Teller darf, was Sie meiden sollten und was in vernünftigen Mengen in Ordnung ist — mit konkreten Gramm-Angaben, einem vollständigen Tagesplan und den Mengen, bei denen die Studien tatsächlich eine Wirkung gezeigt haben.

Basierend auf ESC/EAS-Leitlinien 2025, EFSA-Health-Claims und Meta-Analysen aus Am J Clin Nutr, CMAJ, Circulation und NEJM.

Erhöhtes LDL-Cholesterin ist einer der wichtigsten veränderbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die gute Nachricht: Was Sie essen, hat einen messbaren Einfluss auf Ihren LDL-Wert — wenn Sie die richtigen Lebensmittel in den richtigen Mengen einsetzen.

Dieser Artikel gibt Ihnen drei klare Listen an die Hand: Was täglich auf den Tisch sollte, was Sie konsequent reduzieren müssen und was in Maßen vertretbar ist. Dazu einen vollständigen Tagesplan und die Austausch-Regeln, die im Alltag den größten Unterschied machen.

Wer verstehen möchte, warum diese Lebensmittel wirken und welche Evidenz dahintersteckt, findet die biochemischen Details im Lebensmittel-Kompass mit EFSA-Belegen.

Liste 1: Was täglich auf den Teller darf

Diese Lebensmittel senken aktiv das LDL-Cholesterin, schützen die Gefäße oder ersetzen problematische Zutaten durch günstigere Alternativen. Sie sollten systematisch in jede Mahlzeit eingebaut werden — nicht als Kur, sondern als Dauerzustand.

Hafer und Gerste

Der lösliche Ballaststoff Beta-Glucan ist der meistuntersuchte cholesterinsenkende Wirkstoff in der Ernährung. Eine Dosis von mindestens 3 g Beta-Glucan pro Tag senkt das LDL nachweislich um rund 7 % — das entspricht etwa 75 g Haferflocken oder 40 g Haferkleie. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diesen Zusammenhang 2012 als belegt anerkannt (EU-VO 432/2012).

Praktisch lässt sich die Tagesdosis gut auf zwei Mahlzeiten verteilen: morgens ein Porridge (50 g Haferflocken), mittags einen Esslöffel Haferkleie in die Suppe eingerührt. Mit dem Beta-Glucan-Rechner sehen Sie, wie viel Sie in Ihrer aktuellen Ernährung schon erreichen.

Hülsenfrüchte

Linsen, Kichererbsen, Bohnen aller Art: Eine Portion pro Tag — das sind etwa 130 g gekocht, grob eine halbe Dose — senkt das LDL durchschnittlich um 5 % (Ha et al., CMAJ 2014, 26 Studien). Der Mechanismus: lösliche Ballaststoffe binden Gallensäuren, resistente Stärke verändert das Darmmikrobiom günstig, das pflanzliche Protein ersetzt oft tierisches Eiweiß mit gesättigten Fetten.

Hülsenfrüchte sind außerdem erschwinglich, sättigend und vielseitig: Linsenwasser in Suppen, Kichererbsen über Salat, Hummus als Brotaufstrich, Kidneybohnen im Chili statt Hackfleisch.

Nüsse

45 g Nüsse pro Tag — das entspricht etwa sieben bis acht Walnusshälften oder 30 Mandeln — senken das LDL um 3 bis 7 % (Sabaté et al., Arch Intern Med 2010, 25 Studien). Walnüsse liefern zusätzlich Alpha-Linolensäure, eine pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Die WAHA-Studie zeigte über zwei Jahre eine signifikante Reduktion der besonders gefährlichen kleinen, dichten LDL-Partikel (Rajaram et al., Circulation 2021).

Nüsse funktionieren als Snack statt Keksen, gehackt über dem Frühstücksmüsli, in Pesto oder als Mandelmus auf Vollkornbrot.

Natives Olivenöl extra

20 bis 40 ml pro Tag (2 bis 4 Esslöffel), kaltgepresst und mit bitterem, scharfem Abgang — das ist die Qualität, bei der die Polyphenole vorhanden sind. Der LDL-senkende Effekt ist mit 2 bis 3 % vergleichsweise klein, aber Olivenöl schützt LDL-Partikel vor Oxidation. Oxidiertes LDL ist deutlich gefäßschädigender als nicht-oxidiertes. Die PREDIMED-Studie zeigte mit mediterraner Ernährung inklusive Olivenöl eine 30 % niedrigere Herzinfarkt-Rate (Estruch et al., NEJM 2018, 7.447 Teilnehmer).

Fetter Fisch

Lachs, Makrele, Hering und Sardinen liefern langkettige Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA). Ihre direkte LDL-senkende Wirkung ist moderat, aber sie senken die Triglyceride deutlich und vermindern entzündliche Prozesse in den Gefäßen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens zwei Fischmahlzeiten pro Woche, davon eine mit fettem Fisch.

Gemüse und Obst

Reichlich Gemüse und Obst liefern lösliche Ballaststoffe (Pektin in Äpfeln und Zitrusfrüchten), Antioxidantien und verdrängen kalorienreichere, ungünstigere Lebensmittel. Die ESC/EAS-Leitlinien 2025 empfehlen mindestens 400 g Gemüse und Obst täglich. Besonders pektinreich: Äpfel, Birnen, Orangen, Karotten, Brokkoli.

LebensmittelEmpfohlene TagesmengeLDL-Senkung (Studienlage)Wichtigster Mechanismus
Haferflocken / Haferkleie75 g Flocken oder 40 g Kleie~7 %Beta-Glucan bindet Gallensäuren
Hülsenfrüchte130 g gekocht (½ Dose)~5 %Lösliche Ballaststoffe, Proteinersatz
Walnüsse / Mandeln45 g (ca. 8 Walnüsse oder 30 Mandeln)3–7 %MUFA, Phytosterole, ALA
Olivenöl nativ extra20–40 ml (2–4 EL)2–3 %Oxidationsschutz für LDL
Fetter Fisch2× pro Woche je 150 gTriglyceride ↓↓EPA/DHA, Entzündungshemmung
Gemüse≥ 300 gIndirektPektin, Ballaststoffe, Antioxidantien
Obst≥ 100–200 gIndirektPektin (Äpfel, Zitrusfrüchte)

Liste 2: Was Sie meiden oder stark reduzieren sollten

Gesättigte Fettsäuren sind der stärkste diätetische Treiber des LDL-Cholesterins. Pro 1 % der täglichen Kalorienzufuhr, die von gesättigten auf ungesättigte Fette umgestellt wird, sinkt das LDL um etwa 2 % (Aramburu et al., Front Public Health 2024). Die DGE-Empfehlung: maximal 10 % der Tageskalorien aus gesättigten Fetten — bei 2.000 kcal sind das rund 22 g.

Wurst und verarbeitetes Fleisch

Salami, Leberwurst, Mortadella, Fleischwurst, Schinken mit Fettrand — diese Produkte kombinieren hohe gesättigte Fette mit Nitritpökelsalz und oft hohem Natriumgehalt. Salami enthält bis zu 15 g gesättigte Fette pro 100 g. Wer täglich zwei Scheiben Salami isst, hat damit schon 5 bis 6 g gesättigte Fette verbraucht — ein Viertel des Tageslimits, ohne nennenswerten Nährwert.

Die Austausch-Regel ist einfach: Wurst als Brotbelag ersetzen durch Hummus, Avocado, Mandelmus, Räucherlachs oder hartgekochte Eier (in Maßen).

Fettiges Fleisch und Fleischerzeugnisse

Bauchspeck, Schweinenacken, Rinderhack mit hohem Fettanteil, Ente und Gans — allesamt reich an gesättigten Fetten. Schweineschmalz enthält 39 g gesättigte Fette pro 100 g. Das bedeutet nicht, dass Sie dauerhaft kein Fleisch mehr essen dürfen, aber Häufigkeit und Schnitt machen den Unterschied: mageres Geflügel oder Rinderfilet zweimal pro Woche ist anders als fette Bratwurst täglich.

Frittiertes und Fast Food

Pommes, frittierte Snacks, Paniertes aus der Fritteuse: Das Problem ist doppelt. Erstens entstehen beim Frittieren mit falschen Ölen Trans-Fettsäuren, die LDL erhöhen und gleichzeitig HDL senken. Zweitens werden oft Palmöl oder andere gesättigte Fette verwendet. Seit April 2021 gilt EU-weit eine Obergrenze für industrielle Trans-Fette (2 g pro 100 g Fett, EU-VO 2019/649), aber in der Gastronomie und beim Street Food lässt sich das kaum überprüfen.

Industrielle Backwaren und Fertigprodukte mit Palmöl

Croissants, Blätterteiggebäck, viele Kekse und Cracker, Fertigpizzen, Instant-Nudeln: Schauen Sie auf die Zutatenliste. Steht dort „Palmöl", „Kokosfett" oder — als rotes Warnsignal — „teilweise gehärtetes Pflanzenfett", dann handelt es sich um ein Produkt mit hohem Gehalt an gesättigten oder Trans-Fettsäuren. Kokosfett enthält mit 82 g gesättigte Fette pro 100 g mehr als Butter (51 g).

Butter in größeren Mengen

Ein Esslöffel Butter (15 g) liefert bereits 7,5 g gesättigte Fette — ein Drittel des empfohlenen Tageslimits. Butter gelegentlich in kleinen Mengen ist vertretbar, aber als täglicher Brotaufstrich und Kochfett summiert sich der Beitrag schnell. Der Austausch gegen Olivenöl oder Phytosterol-Margarine ist einer der wirksamsten Einzelschritte.

LebensmittelGesättigte Fette pro 100 gEmpfehlung
Kokosfett / Kokosöl82 gMeiden
Butter51 gStark reduzieren
Schweineschmalz39 gMeiden
Salami15 gStark reduzieren
Sahne (30 % Fett)19 gStark reduzieren
Bratwurst / Leberwurst12–14 gStark reduzieren
Croissant (Buttergebäck)11 gStark reduzieren
Palmöl (in Fertigprodukten)49 gMeiden
Achtung — Kokosöl

Kokosöl wird häufig als „gesundes Fett" vermarktet. Das stimmt nicht. Mit 82 g gesättigten Fettsäuren pro 100 g ist Kokosöl das Lebensmittel mit dem höchsten Gehalt an gesättigten Fetten überhaupt — deutlich mehr als Butter. Die Studienlage zeigt, dass Kokosöl das LDL erhöht (Neelakantan et al., Circulation 2020). Verwenden Sie es nicht als Kochfett bei erhöhtem LDL.

Liste 3: Was Sie in Maßen essen können

Diese Lebensmittel sind bei erhöhtem Cholesterin nicht automatisch verboten — aber Menge und Häufigkeit spielen eine Rolle. Die frühere Empfehlung, Eier grundsätzlich zu meiden, hat die Wissenschaft relativiert. Gleichzeitig bedeutet „in Maßen" nicht täglich und nicht unkontrolliert.

Eier

Ein Ei enthält etwa 185 mg Cholesterin, fast ausschließlich im Dotter. Der Körper reguliert jedoch die eigene Cholesterinsynthese in Abhängigkeit von der Nahrungszufuhr — bei den meisten Menschen hat Nahrungscholesterin einen geringeren Einfluss auf den Blutcholesterinspiegel als gesättigte Fette. Die ESC/EAS-Leitlinien 2025 empfehlen bei erhöhtem LDL: maximal drei bis vier Eier pro Woche. Wer eine Hypercholesterinämie hat oder auf LDL-Cholesterin-senkende Medikamente angewiesen ist, sollte dies mit dem Arzt besprechen.

Käse

Käse liefert Kalzium, Protein und ist kulturell tief verankert in der deutschen Küche. Der Fettgehalt variiert stark: Gouda (48 % F.i.Tr.) enthält 18 g gesättigte Fette pro 100 g, Mozzarella (part skim) etwa 8 g. Die Empfehlung lautet: Portionen auf 30 bis 40 g pro Tag begrenzen, magere Sorten bevorzugen (Hüttenkäse, Magerquark, junger Gouda) und Käse nicht täglich in mehreren Mahlzeiten einbauen.

Vollkornbrot

Echtes Vollkornbrot — erkennbar daran, dass „Vollkornmehl" als erste Zutat in der Liste steht — enthält Ballaststoffe und hat im Vergleich zu Weißbrot einen niedrigeren glykämischen Index. Es ist kein Problem bei erhöhtem LDL. Die Einschränkung gilt, wenn reichlich Butter oder fettiger Belag darauf kommt. Zwei bis drei Scheiben pro Tag sind sinnvoll.

Rotes Fleisch (mager)

Mageres Rinderfilet oder Kalbfleisch ein bis zweimal pro Woche ist bei erhöhtem LDL vertretbar. Problematisch sind Häufigkeit, Fettanteil und Zubereitung (frittieren, mit Schmalz braten). Die ESC/EAS empfehlen, verarbeitetes rotes Fleisch (Wurst, Speck) deutlich stärker einzuschränken als frisches, mageres Fleisch.

Alkohol

Alkohol in kleinen Mengen erhöht das HDL leicht, aber er erhöht gleichzeitig die Triglyceride und die Kalorienaufnahme. Es gibt keine Empfehlung, mit Alkohol trinken anzufangen, um das Cholesterin zu verbessern. Wer trinkt: maximal ein kleines Glas Wein (125 ml) pro Tag für Frauen, zwei für Männer — das entspricht den Empfehlungen der ESC/EAS 2025.

Beispiel-Tagesplan (1 Tag)

Dieser Plan kombiniert die drei Listen zu einem konkreten Tag. Er erreicht etwa 3 g Beta-Glucan, 45 g Nüsse, eine Portion Hülsenfrüchte und 25 g Sojaprotein — die Kernmengen, bei denen die Studienlage einen Effekt zeigt. Eine vollständige Vier-Wochen-Variante mit 30 Rezepten finden Sie in der Portfolio-Diät.

MahlzeitWasWirksame Komponente
Frühstück Porridge aus 50 g Haferflocken (gekocht mit 250 ml Sojamilch ungesüßt), 1 EL geschrotete Leinsamen, 1 Handvoll Heidelbeeren, 25 g Walnüsse Beta-Glucan (~2 g), ALA, Soja, Anthocyane
Vormittag-Snack 1 Apfel, 20 g Mandeln Pektin, MUFA, Vitamin E
Mittagessen Linsen-Gemüse-Eintopf: 130 g rote Linsen (gekocht), Karotten, Tomate, Sellerie, 2 EL Olivenöl nativ extra, Vollkornbrot (1 Scheibe) Lösliche Ballaststoffe, MUFA, Beta-Glucan-Rest (~1 g aus Brot)
Nachmittag-Snack 150 g Sojajoghurt natur mit 1 TL Leinsamen Sojaprotein (~8 g), ALA
Abendessen 150 g Lachsfilet (gebraten in 1 EL Olivenöl), 200 g gedünsteter Brokkoli, 150 g gekochte Kichererbsen, Tomatensalat mit Olivenöl und Zitrone EPA/DHA, Ballaststoffe, weiteres Olivenöl, Phytosterole
Abend optional 30 g dunkle Schokolade (≥ 85 % Kakao) Flavonoide, in Maßen vertretbar

Dieser Tag liefert etwa 45 g Ballaststoffe (Ziel: ≥ 30 g laut DGE), 3,2 g Beta-Glucan (Ziel: ≥ 3 g), 45 g Nüsse und rund 25 g Sojaprotein. Gesättigte Fette bleiben unter 20 g.

Die wichtigsten Austausch-Regeln

Verbote funktionieren schlecht. Austausch funktioniert. Wer die folgenden sechs Tauschgeschäfte konsequent umsetzt, kommt ohne weitere Diätplanung sehr nah an die Empfehlungen der evidenzbasierten Ernährungstherapie heran.

Statt diesemBesser dasWarum
Butter beim Kochen und BratenNatives Olivenöl extraGesättigte Fette → einfach ungesättigte Fette; Oxidationsschutz
Butter als BrotaufstrichPhytosterol-Margarine (z. B. Becel ProActiv)Gleichzeitig Zufuhr von 1,5–2 g Phytosterolen, EFSA-belegt
Wurst auf dem BrotHummus, Avocado, Räucherlachs, MandelmusGesättigte Fette und Nitrite durch günstige Fette ersetzen
Sahne in SoßenHafersahne oder SojasahneGesättigte Fette (19 g/100 g Sahne) → nahezu null
Hackfleisch im Chili oder PastaRote Linsen oder KidneybohnenGesättigte Fette raus, lösliche Ballaststoffe rein
Chips oder Kekse als SnackWalnüsse oder Mandeln (45 g)Trans-/gesättigte Fette → MUFA + nachgewiesene LDL-Senkung
VollmilchSojamilch ungesüßt, calciumangereichertSojaprotein (~3,5 g/100 ml), deutlich weniger gesättigte Fette
Weißbrot, ToastbrotEchtes Vollkornbrot (Vollkornmehl als erste Zutat)Höherer Ballaststoffgehalt, niedrigerer glykämischer Index

Wenn Sie alle diese Tauschgeschäfte konsequent umsetzen, haben Sie im Wesentlichen eine Portfolio-Diät eingeführt — das von David Jenkins entwickelte Ernährungskonzept, das in kontrollierten Studien 15 bis 30 % LDL-Senkung erreicht hat.

Was Mengen-mäßig wirklich wirkt

Die Ernährungswissenschaft ist präzise, wenn es um Wirkschwellen geht. Unterhalb bestimmter Mengen passiert wenig; oberhalb bringt mehr nicht mehr viel. Diese vier Schwellenwerte sind gut belegt:

3 g Beta-Glucan täglich

Das ist die Mindestmenge, bei der die EFSA und die FDA einen nachgewiesenen cholesterinsenkenden Effekt anerkennen. Whitehead et al. haben in einer Meta-Analyse von 28 randomisierten kontrollierten Studien gezeigt, dass diese Dosis das LDL um durchschnittlich 7 % senkt. Unterhalb von 3 g ist der Effekt deutlich schwächer. Zum Vergleich: Ein Riegel Hafergebäck mit 1 g Beta-Glucan macht nichts Messbares — auch wenn die Packung etwas anderes suggeriert. Berechnen Sie Ihre tatsächliche Tagesdosis im Rechner.

25 g Sojaprotein täglich

Jenkins et al. haben in einer Meta-Analyse von 46 Studien gezeigt, dass 25 g Sojaprotein pro Tag das LDL um 3 bis 4 % senken. Das entspricht etwa 300 g festem Tofu, 200 g Edamame oder 750 ml Sojamilch. Eine einzige Tasse Sojamilch im Kaffee hat keinen messbaren Effekt — es braucht konsequente Mengen über den ganzen Tag.

30 g Nüsse täglich (Minimum)

Der EFSA-Health-Claim für Walnüsse gilt ab 30 g täglich. Studien zeigen den stärksten Effekt bei 45 g — das ist die Menge, die in den meisten Meta-Analysen verwendet wurde. Wer Nüsse in sinnvollen Portionen als täglichen Snack etabliert, profitiert auch vom Sättigungseffekt, der andere, ungünstigere Snacks verdrängt.

1,5 bis 2 g Phytosterole täglich

Phytosterole aus angereicherten Produkten (Becel ProActiv, Danacol, Deli Reform Omega 3 Plus) senken das LDL um 8 bis 10 % — das ist der stärkste EFSA-anerkannte Einzel-Effekt unter den Nahrungsmitteln (Ras et al., Br J Nutr 2014, 124 Studien). Die Dosis muss zu einer Hauptmahlzeit eingenommen werden; mehr als 3 g täglich bringt keinen Zusatznutzen. Über 3 g täglich sind außerdem nicht empfehlenswert. Für die praktische Anwendung: 20 bis 25 g Phytosterol-Margarine oder ein Joghurtdrink täglich. Der Mediterran-Score (PREDIMED-14) hilft Ihnen einzuschätzen, wie gut Ihre Ernährung insgesamt aufgestellt ist.

Die vier evidenzbasierten Wirkschwellen

3 g Beta-Glucan/Tag (≈ 75 g Haferflocken) → ~7 % LDL-Senkung
25 g Sojaprotein/Tag (≈ 300 g Tofu) → 3–4 % LDL-Senkung
45 g Nüsse/Tag (≈ 8 Walnüsse) → 3–7 % LDL-Senkung
1,5–2 g Phytosterole/Tag (≈ 20 g angereicherte Margarine) → 8–10 % LDL-Senkung

Wie schnell zeigt Ernährungsumstellung eine Wirkung?

Die meisten Studien zur Ernährung und LDL-Cholesterin messen ihre Endpunkte nach vier bis acht Wochen — und zeigen in diesem Zeitraum messbare Veränderungen. Das bedeutet: Sie können nach vier Wochen konsequenter Umstellung einen veränderten LDL-Wert beim nächsten Bluttest erwarten. Die Effekte sind individuell unterschiedlich; wer eine ausgeprägte familiäre Hypercholesterinämie hat, wird mit Ernährung allein oft nicht ausreichend weit kommen.

Was die Ernährung leisten kann, wenn konsequent umgesetzt:

Ernährung und medikamentöse Therapie schließen sich nicht aus — sie ergänzen sich. Wer mit Statinen behandelt wird und zusätzlich seine Ernährung optimiert, erzielt in Summe bessere Ergebnisse als mit Statinen allein.

Häufige Fragen kurz beantwortet

Darf ich Eier essen? Ja, in Maßen. Bis zu drei bis vier Eier pro Woche sind bei den meisten Menschen mit erhöhtem LDL vertretbar. Was auf dem Ei landet (Butter, Speck), ist häufig das eigentliche Problem.

Ist Vollmilch schlimmer als fettarme Milch? Ja, leicht. Vollmilch enthält mehr gesättigte Fette. Der Unterschied ist aber deutlich geringer als der zwischen Milch und Käse oder Sahne. Wenn Sie Milch trinken, ist fettarme Milch sinnvoller. Noch günstiger: ungesüßte, calciumangereicherte Sojamilch.

Senkt rotes Hefereis wirklich Cholesterin? Ja — aber die EFSA hat Monacolin K aus rotem Hefereis 2025 als unsicher eingestuft (EFSA Journal 2025;23(2):e9276), da es chemisch identisch mit dem Statin Lovastatin ist. Ohne ärztliche Überwachung sollte es nicht eingenommen werden.

Funktioniert die mediterrane Ernährung? Ja, das ist eine der am besten untersuchten Ernährungsformen für die Herzgesundheit. Der Mediterran-Score (PREDIMED-14) zeigt Ihnen, wie nah Ihre Ernährung bereits daran ist.

Quellen

  1. Whitehead A et al. „Cholesterol-lowering effects of oat β-glucan." Am J Clin Nutr 2014;100(6):1413–1421.
  2. Ha V et al. „Effect of dietary pulse intake on established therapeutic lipid targets for cardiovascular risk reduction." CMAJ 2014;186(8):E252–E262.
  3. Rajaram S et al. (WAHA-Studie). „Effects of Walnuts on Cardiovascular Risk Factors." Circulation 2021;144(13):1083–1085.
  4. Ras RT, Geleijnse JM, Trautwein EA. „LDL-cholesterol-lowering effect of plant sterols and stanols across different dose ranges." Br J Nutr 2014;112(2):214–219.
  5. Estruch R et al. (PREDIMED). „Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet." N Engl J Med 2018;378(25):e34.
  6. Jenkins DJA et al. „Soy protein reduces serum cholesterol by both intrinsic and food displacement mechanisms." J Nutr 2019;149(6):968–981.
  7. Sabaté J, Oda K, Ros E. „Nut consumption and blood lipid levels." Arch Intern Med 2010;170(9):821–827.
  8. Neelakantan N et al. „The Effect of Coconut Oil Consumption on Cardiovascular Risk Factors." Circulation 2020;141(10):803–814.
  9. Aramburu A et al. „Saturated fat, cardiometabolic risk, and mortality: an umbrella review." Front Public Health 2024;12:1396576.
  10. ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J 2024 (veröffentlicht 2025).
Medizinischer Hinweis. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei stark erhöhten Blutfettwerten, familiärer Hypercholesterinämie oder bereits bestehender Herzerkrankung ist eine individuelle medizinische Betreuung unerlässlich. Die genannten Ernährungsmaßnahmen sind ergänzend — nicht als Ersatz für vom Arzt verordnete Therapien zu verstehen.