Referenzwerte

Cholesterinwerte-Tabelle — Normwerte, Zielwerte, Risikobereiche

Was steht auf Ihrem Laborbefund — und was bedeutet es wirklich? Vier Tabellen zu Gesamt-, LDL-, HDL-Cholesterin und Triglyceriden: nach Risikogruppe (ESC/EAS 2025) und nach Alter (NHANES-Bevölkerungsdaten).

Basierend auf Mach et al. (ESC/EAS 2025), Carroll et al. (NHANES 2015–2018) und den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Wichtig vorab: Es gibt keine "Normalwerte" — es gibt Zielwerte

Wenn Ihnen jemand sagt, Ihr Cholesterin sei "normal", dann lohnt sich die Rückfrage: Normal im Vergleich zu wem? Zur Durchschnittsbevölkerung, die in Europa eine Herzinfarktrate von rund 35 Prozent hat? Oder normal im Sinne von: kein zusätzliches Risiko für Sie?

Das ist kein Wortspiel. Es ist der entscheidende Unterschied zwischen Bevölkerungs-Referenzwerten und klinischen Zielwerten — und er wird auf Laborbefunden häufig nicht klar auseinandergehalten.

Referenzwerte (auch "Normalwerte" oder "Referenzbereiche" genannt) beschreiben, was in einer bestimmten Bevölkerung gemessen wird — sie sagen, ob Ihr Wert im mittleren Bereich liegt. Das ist statistisch, nicht therapeutisch.

Zielwerte hingegen sagen, wo Ihr LDL liegen sollte, damit Ihr persönliches Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko so gering wie möglich ist. Diese Zielwerte hängen davon ab, wie viele andere Risikofaktoren Sie mitbringen.

Die aktuelle europäische Leitlinie (ESC/EAS 2025, Mach et al.) macht deshalb keinen einheitlichen "Normalwert" für LDL. Sie unterscheidet vier Risikogruppen mit jeweils eigenem Zielwert — vom gesunden 35-Jährigen bis zur Person nach Herzinfarkt. Mehr dazu in Cholesterinwerte verstehen.

Diese Seite liefert Ihnen beides: die Bevölkerungs-Referenzbereiche (damit Sie Ihren Befund einordnen können) und die klinischen Zielwerte (damit Sie wissen, wo Sie hinwollen). Entscheidend sind die Zielwerte — nicht die Referenzbereiche.

Kurze Einheit: mg/dL und mmol/L

In Deutschland werden Cholesterinwerte üblicherweise in mg/dL (Milligramm pro Deziliter) angegeben, international und in der Schweiz häufig in mmol/L (Millimol pro Liter). Umrechnung: 1 mmol/L × 38,7 = mg/dL. Oder umgekehrt: mg/dL ÷ 38,7 = mmol/L. Für Triglyceride gilt ein anderer Faktor: 1 mmol/L × 88,6 = mg/dL.

Tabelle 1: Klassische Referenzbereiche nach dem Lipidstatus (Bevölkerungsdaten)

Diese Tabelle zeigt, wie die Labormedizin die einzelnen Blutfettwerte klassisch einteilt. Die Grenzen stammen aus Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, der Deutschen Lipid-Liga und der American Heart Association (AHA) und werden in vielen deutschen Arztpraxen als Orientierung verwendet.

Achtung: "Wünschenswert" bedeutet hier populationsbezogen niedrigeres Risiko — nicht, dass dieser Wert für jeden ausreicht.

Wert Wünschenswert Grenzwertig erhöht Erhöht / Risiko
Gesamtcholesterin < 200 mg/dL (5,2 mmol/L) 200–239 mg/dL (5,2–6,2 mmol/L) ≥ 240 mg/dL (≥ 6,2 mmol/L)
LDL-Cholesterin < 130 mg/dL (3,4 mmol/L) 130–159 mg/dL (3,4–4,1 mmol/L) ≥ 160 mg/dL (≥ 4,1 mmol/L)
HDL-Cholesterin (Männer) ≥ 40 mg/dL (1,0 mmol/L) 35–39 mg/dL (0,9–1,0 mmol/L) < 35 mg/dL (< 0,9 mmol/L)
HDL-Cholesterin (Frauen) ≥ 50 mg/dL (1,3 mmol/L) 45–49 mg/dL (1,2–1,3 mmol/L) < 45 mg/dL (< 1,2 mmol/L)
Triglyceride < 150 mg/dL (1,7 mmol/L) 150–199 mg/dL (1,7–2,3 mmol/L) ≥ 200 mg/dL (≥ 2,3 mmol/L)
Non-HDL-Cholesterin < 160 mg/dL (4,1 mmol/L) 160–189 mg/dL (4,1–4,9 mmol/L) ≥ 190 mg/dL (≥ 4,9 mmol/L)

Quellen: Deutsche Lipid-Liga, AHA/ACC 2018, ESC/EAS 2019/2025. Non-HDL = Gesamtcholesterin minus HDL; umfasst alle atherogenen Partikel.

Ein Gesamtcholesterin unter 200 mg/dL ist für die meisten Menschen ohne zusätzliche Risikofaktoren ein brauchbarer erster Orientierungspunkt. Aber ein LDL von 128 mg/dL — technisch "wünschenswert" — ist für jemanden nach einem Herzinfarkt immer noch viel zu hoch. Deshalb kommt es auf die nächste Tabelle an.

Tabelle 2: ESC/EAS-Zielwerte nach Risikogruppe — das ist der entscheidende Maßstab

Die europäischen Leitlinien für Dyslipidämien (Mach et al., European Heart Journal 2025) teilen alle Erwachsenen in vier Risikogruppen ein. Die Gruppe, in der Sie landen, bestimmt Ihren LDL-Zielwert. Dieser Zielwert — nicht der Laborbefund-Referenzbereich — ist der medizinisch relevante Maßstab.

Die Risikogruppe wird mithilfe des SCORE2-Rechners bestimmt, der Alter, Geschlecht, Rauchstatus, Blutdruck und Non-HDL-Cholesterin berücksichtigt. Ihren persönlichen Zielwert können Sie im LDL-Zielwert-Rechner berechnen.

Risikogruppe LDL-Zielwert Non-HDL-Ziel Typische Beispiele
Niedriges Risiko < 116 mg/dL
(3,0 mmol/L)
< 145 mg/dL Unter 50, Nichtraucher, normaler Blutdruck, kein Diabetes, keine Familienbelastung
Moderates Risiko < 100 mg/dL
(2,6 mmol/L)
< 130 mg/dL 50–69 Jahre, ein Risikofaktor (leicht erhöhter Blutdruck oder Raucher)
Hohes Risiko < 70 mg/dL
(1,8 mmol/L)
< 100 mg/dL Diabetes ohne Organschäden, familiäre Hypercholesterinämie (FH), Blutdruck + Rauchen kombiniert
Sehr hohes Risiko < 55 mg/dL
(1,4 mmol/L)
< 85 mg/dL Herzinfarkt, Schlaganfall, PAVK, Stent oder Bypass in der Vorgeschichte; Diabetes mit Organschäden; FH mit KHK

Quelle: Mach F et al. 2025 Focused Update of the ESC/EAS Guidelines for dyslipidaemias. European Heart Journal 2025.

Zusatzbedingung bei hohem und sehr hohem Risiko

Bei hohem Risiko muss das LDL zusätzlich um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Ausgangswert gesenkt werden. Bei sehr hohem Risiko ebenfalls. Das bedeutet: Wer mit LDL 160 mg/dL startet und zur Hochrisikogruppe gehört, braucht eine Senkung auf unter 70 mg/dL und mindestens auf 80 mg/dL — der niedrigere Wert gilt. In der Praxis bedeutet das oft: Lebensstil allein reicht nicht, Medikamente sind nötig.

Ob Sie Medikamente brauchen oder ob Lebensstiländerungen wie die Portfolio-Diät ausreichen, hängt von dieser Gruppeneinordnung ab — und davon, wie weit Ihr aktueller Wert vom Ziel entfernt ist. Das klärt Ihr Arzt mit Ihnen.

Tabelle 3: Werte nach Alter — NHANES-Bevölkerungsmittelwerte

Viele Menschen suchen gezielt nach Referenzwerten für ihr Alter: "Ist 210 mg/dL Gesamtcholesterin mit 55 Jahren noch normal?" Die kurze Antwort: Das hängt vom Risikoprofil ab, nicht vom Alter. Die längere Antwort: Hier sind die tatsächlich gemessenen Bevölkerungswerte aus der US-amerikanischen NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination Survey, Carroll et al. 2015–2018), die für Westeuropa ähnlich gelten.

NHANES misst repräsentative Querschnittswerte der Bevölkerung. Diese Zahlen sind Ist-Werte, keine Zielwerte. Dass ein 55-jähriger Mann in den USA im Schnitt ein LDL von 125 mg/dL hat, bedeutet nicht, dass dieser Wert für ihn optimal ist.

Altersgruppe Gesamtcholesterin
Männer / Frauen
LDL
Männer / Frauen
HDL
Männer / Frauen
Triglyceride
Männer / Frauen
20–29 Jahre 182 / 177 mg/dL 108 / 99 mg/dL 47 / 56 mg/dL 118 / 91 mg/dL
30–39 Jahre 196 / 190 mg/dL 120 / 112 mg/dL 46 / 58 mg/dL 138 / 100 mg/dL
40–49 Jahre 207 / 207 mg/dL 130 / 124 mg/dL 46 / 58 mg/dL 160 / 117 mg/dL
50–59 Jahre 210 / 223 mg/dL 130 / 140 mg/dL 46 / 60 mg/dL 165 / 127 mg/dL
60–69 Jahre 205 / 220 mg/dL 125 / 135 mg/dL 47 / 60 mg/dL 155 / 130 mg/dL
70+ Jahre 195 / 210 mg/dL 115 / 127 mg/dL 48 / 61 mg/dL 140 / 128 mg/dL

Quelle: Carroll MD et al. "Total and High-density Lipoprotein Cholesterol in Adults: United States, 2015–2018." NCHS Data Brief No. 363, 2020. Werte gerundet, Mittelwerte der jeweiligen Altersgruppe. Für Europa (SCORE2-Kalibrierung Deutschland) sind die Absolutwerte ähnlich, leicht variierend nach Region.

Was sich in dieser Tabelle deutlich abzeichnet: LDL und Gesamtcholesterin steigen mit dem Alter bis etwa Mitte 50, dann sinken sie leicht wieder. Bei Frauen zeigt sich ein besonders deutlicher Anstieg zwischen 40 und 60 — genau in der Zeit der Menopause. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Warum Alter kein primäres Kriterium für den LDL-Zielwert ist

Die ESC/EAS 2025 nennt das Alter als Faktor im SCORE2-Risikorechner — aber nicht als direkten Treiber des Zielwerts. Eine 68-jährige Frau ohne Diabetes, Bluthochdruck oder Familienbelastung hat möglicherweise ein niedrigeres Risiko als ein 48-jähriger Diabetiker. Das Alter ist ein Proxy für kumulative Belastung — aber andere Faktoren können schwerer wiegen.

Werte nach Geschlecht: Was sich unterscheidet

Biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen spielen beim Cholesterin eine klare Rolle — und werden auf Laborbefunden leider oft nicht differenziert genug berücksichtigt.

HDL: Frauen haben systematisch höhere Werte

Östrogen fördert die HDL-Synthese in der Leber. Deshalb haben Frauen im gebärfähigen Alter typischerweise HDL-Werte, die 8 bis 15 mg/dL höher liegen als bei gleichaltrigen Männern — das zeigen NHANES-Daten konsistent über alle Altersgruppen. Ein HDL von 50 mg/dL ist bei einer Frau unter 50 Jahren am unteren Rand des Normalen, bei einem 45-jährigen Mann wäre es ein akzeptabler Wert.

Wichtig: HDL ist kein eigenständiger Schutzfaktor, den man einfach erhöhen sollte. Medikamentöse Versuche, HDL zu erhöhen, haben in Studien keine kardiovaskuläre Schutzwirkung gezeigt. HDL ist ein Marker, kein Therapieziel.

LDL nach der Menopause: oft unterschätzter Anstieg

Mit dem Rückgang der Östrogenproduktion in den Wechseljahren steigt das LDL bei vielen Frauen merklich an — in Bevölkerungsstudien um durchschnittlich 10 bis 20 mg/dL innerhalb weniger Jahre. Gleichzeitig nimmt das HDL leicht ab, die Triglyceride steigen. Das Risikoprofil verschlechtert sich also auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

Das ist ein häufig übersehener Moment: Frauen zwischen 50 und 60 Jahren haben oft erstmals in ihrem Leben erhöhte LDL-Werte — und erhalten keinen Lipidstatus, weil ihr Arzt sie als "niedrigrisiko" einschätzt. Die ESC/EAS-Leitlinien empfehlen ausdrücklich, auch bei Frauen in der Perimenopause den Lipidstatus zu kontrollieren.

Triglyceride: Männer stärker betroffen

Erhöhte Triglyceridwerte kommen bei Männern häufiger vor, besonders in der Altersgruppe 30 bis 60. Das hängt mit höherem Alkohol- und Kohlenhydratkonsum, höherem viszeralem Fettanteil und hormonellen Unterschieden zusammen. In den NHANES-Daten liegen Männer in jeder Altersgruppe im Schnitt 15 bis 30 mg/dL höher als gleichaltrige Frauen.

Merkmal Frauen Männer
HDL-Werte (Bevölkerungsmittel) Typisch 55–62 mg/dL (20–60 J.) Typisch 44–48 mg/dL (20–60 J.)
HDL-Untergrenze (Risiko) < 50 mg/dL < 40 mg/dL
LDL-Verlauf im Leben Stabiler bis Menopause, dann oft Anstieg um 10–20 mg/dL Kontinuierlicher Anstieg bis ~55, dann leicht rückläufig
Triglycerid-Niveau Tendenziell niedriger, stärker durch Schwangerschaft beeinflusst Tendenziell höher, stärker durch Alkohol und viszerales Fett beeinflusst
Erstinfarkt-Alter (Median) ~72 Jahre ~65 Jahre

Quellen: NHANES 2015–2018, Bairey Merz CN et al. (AHA 2018), Mach F et al. (ESC/EAS 2025).

Was bedeutet Ihr Wert konkret?

Tabellen helfen beim Einordnen. Aber die eigentliche Frage — wo sollte mein LDL liegen, reicht mein Wert, brauche ich Medikamente? — lässt sich erst beantworten, wenn das Risikoprofil klar ist.

Dafür brauchen Sie drei Angaben: Alter, systolischer Blutdruck, Rauchstatus. Zusammen mit Ihrem Non-HDL-Cholesterin ergibt das den SCORE2-Wert und damit Ihre Risikogruppe. Den Rechner dafür finden Sie hier: LDL-Zielwert-Rechner — in wenigen Sekunden zur persönlichen Einordnung.

Zur Orientierung: Wenn Sie

Für den Bereich zwischen Tabelle und Arztgespräch empfiehlt sich auch die Seite Häufige Fragen zu Cholesterin, wo typische Missverständnisse geklärt werden — zum Beispiel, warum ein Gesamtcholesterin von 250 nicht automatisch behandlungsbedürftig ist, wenn der Rest des Lipidprofils stimmt.

Zur langfristigen LDL-Senkung ohne Medikamente — oder ergänzend zur Medikation — finden Sie auf der Seite zur Portfolio-Diät die am besten belegte Ernährungsstrategie für Blutfette: Mit konsequenter Umsetzung sind Senkungen von 15 bis 30 Prozent realistisch, belegt durch randomisierte Studien.

Wann zum Arzt?

Diese Seite kann das Arztgespräch nicht ersetzen — aber sie kann Ihnen helfen, es gezielter zu führen. Konkret empfehle ich, einen Lipidstatus zu veranlassen oder nachzufragen, wenn:

Im Gespräch mit dem Arzt hilft es, konkret nach der SCORE2-Risikogruppe zu fragen, dem daraus abgeleiteten LDL-Zielwert, und ob das Ziel aktuell erreicht wird oder Handlungsbedarf besteht. Mehr zu diesen Fragen finden Sie in Cholesterinwerte verstehen.

Quellen

  1. Mach F et al. „2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias." European Heart Journal 2025;46(20):1849–1882.
  2. Carroll MD, Fryar CD, Nguyen DT. „Total and High-density Lipoprotein Cholesterol in Adults: United States, 2015–2018." NCHS Data Brief No. 363. Hyattsville, MD: National Center for Health Statistics. 2020.
  3. Grundy SM et al. „2018 AHA/ACC/AACVPR/AAPA/ABC/ACPM/ADA/AGS/APhA/ASPC/NLA/PCNA Guideline on the Management of Blood Cholesterol." Journal of the American College of Cardiology 2019;73(24):e285–e350.
  4. Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen (Lipid-Liga e.V.). Referenzwerte für Blutlipide. Stand 2023. lipid-liga.de.
  5. SCORE2 Working Group and ESC Cardiovascular Risk Collaboration. „SCORE2 risk prediction algorithms: new models to estimate 10-year risk of cardiovascular disease in Europe." European Heart Journal 2021;42(25):2439–2454.
  6. Bairey Merz CN et al. „Proceedings from the Scientific Symposium: Sex Differences in Cardiovascular Disease and Implications for Therapies." Journal of Women's Health 2019;28(4):462–479.
Medizinischer Hinweis. Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Einordnung Ihrer individuellen Cholesterinwerte sowie Entscheidungen über Lebensstiländerungen oder Therapien gehören in die Hände Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin.